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Wo kommt die zehnjährige Bund-Rendite her? | Börsenwissen für Fortgeschrittene – Information by Automobilnews.eu

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Wo kommt die zehnjährige Bund-Rendite her? | Börsenwissen für Fortgeschrittene


von Until Bücker

Stand: 09.01.2019, 16:30 Uhr

Wenn es am Finanzmarkt um Staatsanleihen geht, achten Anleger und Medien vor allem auf den Effektivzins. Häufig steht dabei die Rendite der zehnjährigen Bonds im Mittelpunkt. Wie kommt diese eigentlich zustande?

Zu Beginn des neuen Jahres ist die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf den tiefsten Wert seit April 2017 gesunken. Das hat einige Gründe. Zum einen zahlt der deutsche Staat aktuell so wenig Zinsen wie zu Beginn des Aufkaufprogramms der Europäischen Zentralbank (EZB) im März 2015. Außerdem gelten deutsche Staatsanleihen in Zeiten volatiler Aktienmärkte als sicherer Hafen.

Das ließ die Kurse der Bonds erheblich steigen, wodurch die Rendite weiter sank. Renditen und Kurse entwickeln sich am Rentenmarkt gegenläufig. Fallen die Kurse, steigen die Renditen und umgekehrt. Ändert sich das Zinsniveau, passen sich die Kurse entsprechend an.

Renditesprung für 2019 erwartet

Für das laufende Jahr erwarten Experten einen deutlichen Renditesprung. Zwar steht die EZB wegen der Schuldenpolitik der Euro-Länder Italien und Frankreich unter Druck, dem Aufwärtstrend bei Anleiherenditen entgegenzuwirken. Andererseits rudert sie aber auch langsam zurück in ihrer Geldpolitik und beendet den Kauf neuer Staatsanleihen.

In einer Kapitalmarktumfrage des “Handelsblatts” gehen die 30 befragten in- und ausländischen Banken im Durchschnitt deshalb von intestine einer Verdreifachung der Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 0,72 Prozent aus. Eine Entspannung auf politischer Ebene soll dabei ebenfalls eine wichtige Rolle spielen, insbesondere bezüglich des Haushaltsstreits der EU mit Italien, des Ausstiegs der Briten aus der EU und der Handelsbeziehungen mit den USA.

Die Anleihen könnten somit wieder vor weiteren Kursverlusten stehen. Die französische Großbank BNP Paribas schätzt, dass die Rendite des zehnjährigen Titels sogar auf 1,25 Prozent ansteigen wird. Den Anlegern selbst hilft das erst einmal wenig, da sie mit einem realen Wertverlust rechnen müssen. Die Inflationsrate liegt in Deutschland inzwischen bei rund zwei Prozent und damit viel höher als die erwartete Rendite.

Woher kommt der Wert?

Viele Anleger stellen sich die berechtigte Frage, wo diese allgemeine Rendite denn eigentlich herkommt. Schließlich wird nicht jeden Tag eine neue Bundesanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren ausgegeben.

Deshalb gibt es sowohl in Deutschland als auch in anderen Staaten die sogenannte Benchmark-Anleihe. Diese ist stets der zuletzt ausgegebene und damit “jüngste” 10-Jahres-Bond. Er reagiere am schnellsten auf Neuigkeiten in der Welt und sei sehr liquide, erklärt die Deutsche Bundesbank auf Anfrage von boerse.ARD.de. Dadurch beschreibe er das aktuelle Zinsniveau am besten.

Die zehnjährige Bund-Rendite bezieht sich additionally meist auf Anleihen, die gar nicht mehr volle zehn Jahre laufen. Bisher galt beispielsweise ein Papier als Benchmark-Anleihe, das im Juli 2018 emittiert und zuletzt Ende November aufgestockt wurde. Der Bond läuft bereits zum 15. August 2018 aus, additionally in neun Jahren und sieben Monaten. Diese gewisse Unschärfe in der Bewertung der Rendite wird in Kauf genommen.

Neue Benchmark bei Neuemission oder Aufstockung

Platziert der Bund eine neue zehnjährige Anleihe oder weitet deren Volumen aus, so ersetzt sie die Benchmark und ist die neue Grundlage der Berechnung der Rendite. Laut der Emissionsplanung der Finanzagentur, die die Auktionierung bei der Emission von Wertpapieren für den Bund übernimmt, passiert das in der Regel alle paar Wochen.

Am Mittwoch wurde die erste zehnjährige Bundesanleihe des Jahres ausgegeben, die daher die neue Benchmark bildet. Die Größe der Anleihe spielt keine Rolle, allein die Laufzeit ist entscheidend. Die aktuelle Emission hat ein Volumen von vier Milliarden Euro – das sind 17 Milliarden weniger als beim Vorgänger. Die Anleihen werden allerdings regelmäßig aufgestockt, allein die aktuelle Anleihe im ersten Quartal satte drei Mal. Am 10. Juli gibt der Bund das nächste zehnjährige Wertpapier aus, dessen Rendite dann zum neuen Referenzwert wird.

Veränderungen in der Rendite

Bei der Ausgabe neuer Anleihen gebe es meist einen Bruch in der Rendite, betont die Bundesbank. Eine längere Laufzeit verspreche automatisch einen besseren Effektivzins. So steigt die Rendite nach Angaben der Notenbank durch die Neuemission von 0,23 am Dienstag auf 0,29 Prozent am Mittwoch.

Jeden Tag errechnet die Bundesbank zur Mittagszeit die 10-Jahres-Rendite anhand der Marktpreise an der Börse und veröffentlicht sie auf ihrer Web site. Nachrichtendienste wie “Bloomberg” oder “Reuters” verbreiten darüber hinaus die aktuelle Benchmark, die sich durch Preisschwankungen am Markt stets verändert.

Nicht zu verwechseln mit der Umlaufrendite

Von der Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe ist die Umlaufrendite zu unterscheiden. Dieser von der Bundesbank errechnete Zinssatz ist die durchschnittliche nach dem Volumen gewichtete Rendite aller staatlichen Wertpapiere mit einer Laufzeit von drei bis dreißig Jahren.

Und das sind viele. Die Emission von Bundeswertpapieren soll 2019 199 Milliarden Euro in die Staatskassen spülen, kündigte die Finanzagentur im Dezember an. Dass sich der Bund trotz milliardenschwerer Überschüsse im Staatshaushalt viel Geld leihen muss, liegt in erster Linie an den Altschulden.

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