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Tourismus in der Türkei: Die Angst vorm leeren Liegestuhl – Information by Automobilnews.eu

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Tourismus in der Türkei: Die Angst vorm leeren Liegestuhl


Die türkische Tourismusbranche hatte eigentlich mit einem Growth für 2019 gerechnet. Die innenpolitische Lage des Landes droht das zu gefährden. Die Bundesregierung hat ihre Reisehinweise verschärft.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Strand von Antalya ist um diese Zeit noch leer. Auf den Hotelanlagen sind Handwerker und Gärtner zu Gange. Sie bringen alles auf Hochglanz, bevor in ein paar Wochen der große Ansturm kommt – hoffentlich. Denn wie sensibel deutsche Urlauber reagieren, hat sich gezeigt, als Deutschland seine Reisehinweise für die Türkei verschärft hat.

Davor hatte der türkische Innenminister Süleyman Soylu gedroht, Teilnehmer bei Demos in Deutschland, die Terrorgruppen unterstützen, an der Grenze abzufangen, wenn sie in die Türkei in den Urlaub reisen.

Abhängigkeit von politischer Lage

Ein Umstand, über den sich Hotelier Ali Kizildag nicht gerade freut. “Wir sind eine Branche, die von der Politik vollkommen unabhängig arbeitet.” Das klappt nur nicht. Deutsche Urlauber haben teilweise Reisen storniert.

Ali Kizildag, der smarte Hotelier im Anzug, läuft mit dem Telefon am Ohr durch den weitläufigen Garten seines Fünf-Sterne-Lodges. Immer wieder erkundigt er sich bei seinen Gästen, ob sie sich wohl fühlen. Von Stornierungen kriegt er nichts mit, sagt er. Er geht von Einzelfällen aus.

Remziye Zengin ist Vorsitzende der pro-kurdischen HDP in Antalya. Sie schätzt die Lage anders ein. Viele Menschen würden derzeit aus Angst nicht in die Türkei reisen, sagt sie.

“Diese Angst, dass der, der in die Türkei kommt, im Gefängnis landet, belastet alle. Das hat die Menschen eingeschüchtert.”

Einfluss auf Wahlen

Am Sonntag wird in der Türkei gewählt. Zwar geht es nur um Bürgermeister und Stadträte – die AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan muss aber fürchten, dass sie wichtige Städte wie Antalya an die Opposition verliert. Die Äußerungen des AKP-Innenmisters Soylu spielen da mit rein.

Muhsin Taşar, ebenfalls Vorsitzender der HDP in Antalya, geht davon aus, dass sich ein Rückgang in der Tourismusbranche auf die ganze Stadt und damit auch auf die Wahl auswirken könnte:

“Ohne Tourismus können keine Eating places aufmachen, ohne Eating places können die Gastwirte kein Geld verdienen, die Kellner finden keine Arbeit und können auch nichts verdienen. Ohne Lodges und Eating places können auch die Zulieferer nichts verdienen.”

Das sei dann wie ein Domino-Effekt, meint Taşar. Die Aussage des Innenminister habe alle aus der Tourismusbranche beunruhigt. “Additionally alle, die in Antalya leben. Vielleicht mit Ausnahme von einigen AKP-Leuten.”

Kein Wahlkampf im Fünf-Sterne-Lodge

Die ersten Urlauber, die nach den Krisenjahren 2016 und 2017 zurückkamen, waren überwiegend aus Russland und dem arabischen Raum. Aber Hotelier Kizildag weist aber darauf hin, dass der türkische Tourismus erst mit den deutschen Touristen gewachsen sei. Die türkische Tourismusgeschichte habe mit den deutschen Touristen begonnen und sich mit ihnen entwickelt, sagt Kizildag:

“Für uns in der Tourismusbranche ist der Tourismus ohne Deutsche undenkbar. Das ist unvorstellbar.”

Mathias Upmann sitzt im weißen Bademantel im Spa-Bereich. Der 52-jährige Unternehmer aus Gütersloh ist einer der wenigen deutschen Gäste. Die verschärfte Reisehinweise habe er gelesen. Er sehe die Lage entspannt.

Ähnliche Problematiken gäbe es auch, wenn man in Ländern wie Thailand Urlaub mache. “Man muss das nicht so hoch hängen.”

Die Türkei battle für ihn im Preis-Leistungsverhältnis einfach unschlagbar. Vom Wahlkampf draußen kriegt er im Fünf-Sterne-Lodge nichts mit.

“Gäbe es keine Politiker, wäre die Welt eine bessere.”

Hotelier Kizildag klopft einem Mitarbeiter auf die Schulter. Er ist schon seit Jahrzehnten in der Branche und geübt in diplomatischen Worten. Nur einmal, mitten in der letzten Tourismuskrise, sei ihm der Kragen geplatzt. “Ich hatte damals gesagt, gäbe es keine Politiker, wäre die Welt eine viel bessere. Ich werde bis zu meinem Tod genau so denken.”

Ob die Menschen in Antalya wirklich einen Wechsel wollen, könne er nicht sagen. “Ich bekomme auch nur mit, was die Leute so sagen. Die Opposition sagt: Wir gewinnen. Die Regierung sagt: Wir gewinnen. Und ich sage: Möge der Bessere gewinnen.”

Wer für ihn der bessere ist, lässt der Hotelier offen. Er ist bei der Wahl im Ausland, kann seine Stimme additionally gar nicht abgeben. Es klingt, als hätte er eine Ausflucht gefunden.

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