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Pilotprojekt von Interpol: Mit Gesichtserkennung gegen IS-Rückkehrer – Information by Automobilnews.eu

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Pilotprojekt von Interpol: Mit Gesichtserkennung gegen IS-Rückkehrer


Ein Bilderkennungssystem soll Ermittlern künftig sagen, wo sich Terroristen bewegen und ob sie im Web auftauchen. Kritiker sorgen sich um den Datenschutz.

Von Reiko Pinkert und Jan Lukas Strozyk, NDR

Ermittler von Interpol versuchen, mithilfe einer Gesichtserkennungs-Software program islamistische Terroristen zu identifizieren. Für das Projekt liefert auch das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) Informationen zu. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei im Bundestag hervor, die dem NDR vorab vorliegt.

Demnach soll eine Datenbank geschaffen werden, mit deren Hilfe Ermittler beispielsweise Anhänger des sogenannten Islamischen Staats erkennen können, die nach Europa zurückkehren. In vielen Fällen ist unklar, wo sie sich derzeit befinden und ob sie überhaupt noch am Leben sind. Zum Teil nutzen die Rückkehrer wohl auch falsche Papiere.

Pilotprojekt startet im April

Aus der Antwort geht hervor, dass das Projekt mit dem Namen “D-Tech” ab April in eine zweijährige Pilotphase startet. Das Bundesinnenministerium schreibt, “D-Tech” solle “Interpol in die Lage versetzen, digitale Materialien wie Bilder, Movies, Dateien mit Bezug zu Terroristen (…) nutzen und auswerten zu können”.

Die Bilddaten stammen dabei aus den Beständen der Polizeibehörden, mit denen Interpol zusammenarbeitet, aber auch aus weiteren Quellen.

Interpol ist ein Zusammenschluss von Ermittlungsbehörden aus mehr als 190 Ländern. Die Organisation hat, auch das geht aus der Antwort hervor, bereits in einem anderen kriminalistischen Feld erfolgreich ähnliche Gesichtserkennungs-Software program eingesetzt: Das “D-Tech”-System baut auf ein Analyse-Werkzeug auf, mit dem Interpol Täter und Opfer aus dem Bereich der Kinderpornografie ermittelt.

Nach Abschluss der Pilotphase soll D-Tech “die Identifizierung und Lokalisierung” von IS-Rückkehrern ermöglichen, schreibt das Innenministerium, und “somit deren Mobilität einschränken”.

129 Ermittlungsverfahren

Auch zahlreiche deutsche Staatsbürger sind in das Gebiet des “Islamischen Staats” gereist, um für die Terrormiliz zu kämpfen oder dort zu leben. Nach Hinweisen auf Kriegsverbrechen sind in Deutschland mittlerweile in 129 Fällen Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Das erklärte ein BKA-Vertreter in einer vertraulichen Sitzung des Innenausschusses des Bundestags in der vergangenen Woche.

Demnach seien intestine 1000 IS-Sympathisanten nach Syrien gereist. Rund ein Drittel sei wieder nach Deutschland zurückgekehrt, ein Drittel nach Angaben des BKA verstorben, bei einem Drittel ist der Verbleib unklar.

Hunderte Datensätze übermittelt

Deutschland hat ausweislich der Antwort Datensätze zu 692 Personen an Interpol übermittelt, die nach Syrien oder Irak ausgereist sind. Bei vielen ausländischen Kämpfern ist unklar, inwiefern sie sich strafbar gemacht haben.

Auch bei dieser Frage soll “D-Tech” offenbar helfen: Die eingesetzte Software program soll eine Gesichtserkennung und einen Auswertungs-Algorithmus besitzen, um “Bilder von Einzelpersonen zu erfassen und einen systematischen Abgleich auf Übereinstimmungen” durchführen zu können. Vorstellbar wäre etwa, Kämpfer aus IS-Propagandavideos zu identifizieren.

Das System soll auch eine Schnittstelle für “Industrie und kommerzielle OSINT” besitzen, damit diese Bilder zur Auswertung bereitstellen können. OSINT ist die Abkürzung für “Open Supply Intelligence”, additionally die Auswertung offen zugänglicher Quellen beispielsweise im Web.

“Kooperierende Anbieter”

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte auf Anfrage, es kämen neben Informationen von “kommerziellen Medien” auch “kooperierende Anbieter von On-line-Diensten” in Betracht, die Interpol mit Bildmaterial versorgen können. Welche Anbieter das genau sind und ob “D-Tech” auch Dienste wie YouTube, Automobilnews oder Twitter nach Gesichtern bekannter Kämpfer durchsuchen wird, sagte er nicht.

Der europapolitische Sprecher der Fraktion Die Linke im Bundestag, Andrej Hunko, kritisiert, dass der Datenschutz beim Einsatz von “D-Tech” ungeklärt sei. Er sagte dem NDR: “Wenn es zutrifft, dass die Polizeiorganisation das Web nach Personen durchsucht, dann geraten dadurch Tausende Unbeteiligte oder Kontaktpersonen ins Visier der Behörde. Spätestens wenn diese Fotos oder Filme bei Interpol gespeichert werden, wäre dies rechtswidrig.”

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