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Macht eine Banken-Hochzeit eigentlich Sinn? | Aktien Information – Information by Automobilnews.eu

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Macht eine Banken-Hochzeit eigentlich Sinn? | Aktien Information


von Lothar Gries

Stand: 14.02.2019, 06:45 Uhr

Die Politik lässt nicht locker, strebt eine Fusion zwischen Deutscher Financial institution und Commerzbank an, um daraus einen nationalen Champion zu schmieden. Doch wie sinnvoll wäre eine solche Hochzeit und müsste nicht vielmehr die gesamte Struktur der heimischen Bankenbranche auf den Prüfstand?

Andreas Treichl, langjähriger Chef der Wiener Großbank Erste Group, hat das Dilemma der deutschen Bankenbranche jüngst so zusammengefasst: “Die Lösung wäre nicht ein Zusammengehen von Commerzbank und Deutscher Financial institution, das wäre nur ‘extra of the identical’. Die Lösung wäre ein Zusammengehen der Deutschen Financial institution mit den deutschen Sparkassen.”

Er sei sich aber bewusst, dass dies nie zustande kommen werde, auch wenn es “nicht nur für Deutschland, sondern auch für ganz Europa ein Segen” wäre. Denn durch den Zusammenschluss würde eine der größten Banken der Welt entstehen, mit ausreichend Finanzkraft für die deutsche Industrie überall auf der Welt, so Treichl.

Starres Drei-Säulen-Modell

Doch eine Fusion einer privatwirtschaftlichen Financial institution mit öffentlich-rechtlichen Instituten ist in der starren deutschen Bankenbranche tatsächlich undenkbar. Selbst zaghafte Versuche wie die Verschmelzung einer Sparkasse mit einer privaten Financial institution in den Nullerjahren wurden mit unerbittlicher Entschlossenheit verhindert. Lediglich innerhalb der drei Säulen, bestehend aus privaten, öffentlich-rechtlichen und genossenschaftlichen Instituten, ist es bisher zu Zusammenschlüssen gekommen.

Helmut Schleweis, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands, meldete sich auch umgehend zu Wort und erklärte, dass eine Fusion der Deutschen Financial institution mit Sparkassen keine Aussicht auf Verwirklichung hätte. “Da gibt es kulturelle Unterschiede. Ich kann mir schlecht vorstellen, dass solche Kulturen zusammenkommen.”

Niemand traut sich an Neuordnung

Dabei würde im Fall eines solchen Zusammenschlusses ein Riese mit über 70 Millionen Privatkunden entstehen, gilt doch die Sparkassen-Finanzgruppe als unangefochtener Marktführer in Deutschland mit 50 Millionen Privatkunden.

An eine Neuordnung des Drei-Säulen-Modells traut sich aber niemand heran. Eine Besonderheit in Europa, sind doch die alten Strukturen auf dem Finanzmarkt in Ländern wie Frankreich, Österreich oder Schweden längst aufgebrochen worden. Trotzdem plädiert Bundesfinanzminister Olaf Scholz weiter für eine Fusion der beiden verbliebenen Großbanken. Offiziell sagt er das natürlich nicht, doch wiederholt er immer wieder seinen Wunsch nach einer “starken deutschen Financial institution”. Es sei wichtig, einen starken Bankensektor zu haben, um das tun zu können, was nationale Champions tun können.

32 Millionen Kunden

Doch was würde ein Zusammenschluss von Deutscher Financial institution und Commerzbank bringen? Dank entsprechender Skaleneffekte würden sich die nötigen Investitionen in die Digitalisierung rechnen, heißt es. Gemeinsam kämen Deutsche und Commerzbank auf 32 Millionen Kunden, damit blieben sie in Deutschland die Nummer zwei hinter den Sparkassen. Im Geschäft mit mittelständischen und großen Firmenkunden würden sie ihre Vormachtstellung weiter ausbauen.

Doch um welchen Preis? Ein Zusammenschluss würde viele Tausend Arbeitsplätze kosten, neue Milliarden verschlingen und beide Institute über Jahre hinweg lähmen. Beide Häuser wissen bereits, wie schwer es ist, die von schlauen Beratern ausgerechneten Kostenersparnisse tatsächlich zu realisieren. Die Commerzbank hätte sich an der zu Beginn der Finanzkrise übernommenen Dresdner Financial institution sogar verschluckt, wenn der Bund ihr nicht unter die Arme gegriffen hätte.

Hinter der Konkurrenz geblieben

Bis heute hinken beide Häuser hinter den meisten europäischen Konkurrenten hinterher. Auch zehn Jahre nach dem Ende der Finanzkrise leiden sie noch unter hohen Kosten und einer mickrigen Rendite. So musste die Deutsche Financial institution im vergangenen Jahr 92,7 Cent aufwenden, um einen Euro zu verdienen. Konkurrenten wie die Pariser BNP Paribas brauchten dafür nur 60 Cent. Auch die Commerzbank kämpft weiter mit einer im europäischen Vergleich – von den US-Banken gar nicht zu reden – niedrigen Rendite.

Für JPMorgan-Analyst Kian Abouhossein macht eine Fusion zum jetzigen Zeitpunkt keinen Sinn, denn sie würde die Gewinne kurzfristig kaum verbessern und zu höheren Kapitalanforderungen führen. Erst in fünf Jahren könnten die sinkenden Refinanzierungskosten die Gewinne des fusionierten Konzerns um magere sechs Prozent steigen lassen. Nicht umsonst weist Deutsche Financial institution-Chef Christian Stitching eine Fusion in den nächsten zwölf bis 18 Monaten weit von sich. Und auch im Umfeld von Commerzbank-Chef Martin Zielke wird vor der Komplexität der Aufgabe gewarnt.

Investoren bleiben skeptisch

Hinzu kommt: Fachleute glauben, dass nicht wenige Privatkunden die fusionierte Financial institution verlassen würden. Denn viele Kunden seien zum Beispiel ganz bewusst bei der Commerzbank und nicht bei der Deutschen Financial institution.

Auch die Investoren sehen eine mögliche Fusion eher kritisch. Die seit Wochen anhaltenden Spekulationen konnten die Aktienkurse der beiden Häuser nicht beflügeln. Im Gegenteil: Nach der anfänglichen Erholung im Januar ging es wieder deutlich bergab. Damit sind beide Banken an der Börse gerade einmal 23,5 Milliarden Euro wert. Auf den Ranglisten der weltweit größten Geldhäuser stünden sie damit zwischen dem 40. und 50. Platz.

Zwei Lahme ergeben eben zusammen keinen Sprinter.

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