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„Automatisiertes Fahren kann nur einem Zweck dienen: das Fahren sicherer und komfortabler zu machen.“ – Auto Information by Automobilnews.eu

„Automatisiertes Fahren kann nur einem Zweck dienen: das Fahren sicherer und komfortabler zu machen.“



Dr. Nicolai Martin leitet ein spannendes und zugleich hochkomplexes
Innovationsfeld bei der BMW Group: den Bereich Entwicklung
Automatisiertes Fahren. Ihn beschäftigen Fragestellungen wie: Welcher
Grad an Automatisierung ist sinnvoll? Was bringt die Zukunft der
Automatisierung den Kunden wirklich? Und vor allem: Welchen Weg geht
BMW beim Automatisierten Fahren? Ein Gespräch, das Einblicke gewährt,
aktuelle Entwicklungen aufzeigt und Zukunftsideen skizziert.

 

  <sturdy>1. Herr Martin, Sie sind Ingenieur aus Leidenschaft. Was
    treibt Sie an?</sturdy>
Mir macht es Freude, den Dingen auf den Grund zu gehen und sie zu
  verstehen. Zwar battle Leistungssport – konkret das Windsurfen – bis
  hinauf zu olympischer Ebene eine echte Berufsoption, aber am Ende
  hat doch das Wirtschaftsingenieurswesen und die Fahrzeugtechnik
  das Rennen gemacht.

Mich begeistern Herausforderungen und Fragestellungen, in die man
sich einarbeiten muss – die komplex sind und zugleich eine
gesellschaftliche Relevanz haben. Denn am Ende möchte ich reale,
relevante Probleme nachhaltig lösen und Fortschritt vorantreiben. Und
ich habe das Glück, mit einem großartigen Crew an einer der
relevantesten Aufgabenstellungen für die Zukunft automobiler Mobilität
zu arbeiten: dem Automatisierten Fahren.

Einerseits treiben wir die Entwicklung innovativer Technologien aktiv
voran und forschen mit nahezu akademischem Anspruch. Auf der anderen
Seite prüfen wir genau, welche Anwendungsmöglichkeiten wir tatsächlich
realisieren, um damit Kunden weltweit einen Mehrwert zu bieten. Denn
letztendlich wollen wir in erster Linie unsere Kunden begeistern. Das
ist eine spannende und nicht immer einfache Stability.

 

2. Welchen Mehrwert bietet ein automatisiert fahrendes Fahrzeug?

Automatisierung bringt grundsätzlich einen Gewinn an Komfort und
Sicherheit. Denn das System fährt konstant, man selbst eher nicht.
Diese Unterstützung, teilweise sogar Entlastung, schätzen unsere
Kunden. Wir sehen beispielsweise, dass jene Fahrer in Europa, die
unseren Driving Assistant Skilled im Fahrzeug haben, bereits ca.
50 Prozent der Fahrzeit mit der aktiven Längsführungsfunktion fahren.
Bei der Querführung sind es immerhin aktuell 30 Prozent der Fahrzeit.
Ermittelt aus 120 Mio. gefahrener Kilometer unserer Kundenflotten. Das
ist viel. Wir ziehen daraus den Schluss, eine Funktion geschaffen zu
haben, die einen realen Mehrwert bietet. Im Allgemeinen werden unsere
Systeme weltweit hervorragend angenommen und machen gleichzeitig das
Fahren schon heute nachweislich sicherer.

 

3. Welche Rolle spielt zukünftig Automatisiertes Fahren im
Kontext individueller Mobilität?

In Zukunft wird die Intelligenz eines Fahrzeugs immer wichtiger. Die
Automatisierung der Fahraufgabe nimmt darin einen maßgeblichen Platz
ein. Was im Kleinen etwa mit der Automatisierung der Lichtfunktionen
begonnen hat, umfasst heute schon die assistierte Längs- und
Querführung des Fahrzeugs. Wenn Sie beispielsweise von München in die
Toskana in den Urlaub fahren, nimmt Ihnen das System nicht nur das
Ein- und Ausschalten des Lichts bei zahlreichen Tunneldurchfahrten ab,
sondern auch die konstante Einhaltung von Geschwindigkeitsvorgaben
oder den Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug. Wenn wir weiter gehen
und das Fahrzeug mit den Möglichkeiten von Konnektivität und dem
semantischen Wissen des Fahrers ergänzen, wird es mehr und mehr zum
intelligenten Begleiter oder gar Freund, das den Fahrer unterstützt
und somit begeistert. Das bauen wir Stück für Stück weiter aus.

 

4. Wo steht BMW beim Automatisierten Fahren?

Aktuell haben wir bereits rund 40 Fahrerassistenz-Funktionen auf der
Straße, die zu den besten im Markt zählen. Diese umfassen den
Fernlichtassistenten ebenso wie die Rückfahrkamera oder den
intelligenten Abstandstempomaten mit Quer- und Längsführung inklusive
Ampelerkennung. Im Bereich aktiver Sicherheit bilden unsere
Fahrerassistenzsysteme die Foundation für das höchste NCAP-Score (5
Sterne) und die High-Ausstattung mit dem Driving Assistant Skilled
wurde bereits mehrfach ausgezeichnet. Kurz gesagt: Wir bauen unsere
Stage 2-Funktionen konsequent weiter aus. Sie sind
nahezu allverfügbar und unterstützen beziehungsweise nutzen dem Kunden
bereits heute beim Fahren und Parken. Je nach regionaler Gesetzgebung
können sie sich in der Ausprägung oder Verfügbarkeit unterscheiden. So
bieten wir in den USA und China eine „Arms-Off“-Choice an, in der der
Fahrer die Hände (bis 60 km/h) vom Lenkrad nehmen kann, die
Fahrsituation jedoch weiterhin beobachten muss und in der
Verantwortung ist. Die Funktion bricht nach mehreren Warnsignalen dann
ab, wenn der Fahrer nicht mehr aufmerksam ist.

 

5. Und wann bringt BMW nun Stage 3 auf den Markt?

Neben der Weiterentwicklung unserer Fahrerassistenzfunktionen (Stage
2) arbeiten wir parallel intensiv an der Befähigung unserer Fahrzeuge
für hochautomatisiertes Fahren, das heißt Stage 3,
und sind hier auf einem sehr guten Weg. Bereits heute übernehmen
unsere automatisierten Assistenzfunktionen in vielen Situationen große
Teile der Fahr- und Parkaufgabe. Der Fahrer muss allerdings nach wie
vor die Umgebung beobachten und hat stets die volle Verantwortung für
die Fahraufgabe. Mit „Distant Management Parking“ haben wir das fahrerlose
Parken des Fahrzeugs heute bereits realisiert, doch muss auch hier der
Fahrer das Fahrzeug und dessen Umgebung per Smartphone beziehungsweise
Schlüssel überwachen und ist in der Verantwortung. Damit rückt das
Thema Stage 4 im Bereich Parken, additionally beispielsweise,
dass sich das Fahrzeug in einem Parkhaus einen Parkplatz selbst sucht
und parkt, in greifbare Nähe.

Eine Stage 3-Funktion – das heißt: wenn die Verantwortung vom
Menschen auf die Maschine übertragen wird – werden wir in unseren
Fahrzeugen erst anbieten, wenn diese absolut sicher ist und einen
Mehrwert bietet. Das System muss in Extremsituationen – sogenannten
„nook circumstances“ – sicher reagieren. Das ist unser Anspruch.

 

6. Unterscheidet sich Ihr Ansatz im Wettbewerbsumfeld, das
heißt gibt es einen „BMW Weg“ des Automatisierten Fahrens?

Wir entwickeln Automatisiertes Fahren mit einem klaren Ziel: Unseren
Kunden ein Mehr an Sicherheit und Komfort zu bieten. Für die BMW Group
ist die Technologie vor allem ein Befähiger, um unseren Kunden durch
automatisierte Fahr- und Parkfunktionen ein positives und emotionales
Erlebnis zu ermöglichen. Denn das steht klar im Vordergrund.
Gleichzeitig soll die Technik zu keiner Zeit bevormunden. Die richtige
Stability aus Sicherheit für alle und Mehrwert für den Einzelnen ist uns wichtig.

In meinen Augen steht BMW in Zukunft für die bestmögliche Verbindung
der Welt des Automatisierten Fahrens, bei uns „Ease“ genannt, mit der
Freude am Selbstfahren, kurz: „Increase“. Jeder Kunde soll selbst
entscheiden können, ob er dynamischen Fahrspaß durch Selbstfahren
erleben will oder in bestimmten belastenden oder freudlosen
Fahrsituationen wie dem Stau, Cease & Go Verkehr oder Parken,
lieber das Fahren abgibt und die eigene Zeit anders nutzt. Dabei wird
ein BMW seinen Fahrer stets optimum unterstützen und begleiten. Durch
meine frühere Aufgabe im Unternehmen, der Entwicklung von aktiver
Fahrdynamik, kenne ich beide Pole sehr intestine und durfte deren Grenzen
ausloten und erleben. Für mich ist daher klar, dass beide Dimensionen
in Zukunft einen BMW ausmachen werden.

 

7. Was können wir vom vollelektrischen BMW iX an
automatisierten Funktionen erwarten?

Der BMW iX ist das erste Fahrzeug der BMW Group, das automatisierte
Fahr- und Parkfunktionen aus einem neuen Technologiebaukasten bieten
wird. Dieser Baukasten ermöglicht eine kontinuierliche Verbesserung
und Erweiterung der Fahrerassistenzfunktionen und mittelfristig
hochautomatisiertes Fahren (Stage 3). Er wird weiter ausgerollt und
beispielsweise in der nächsten Era der BMW 7er und BMW 5er
Baureihe eingesetzt.

BMW iX schaffen wir zudem einen echten Kundenmehrwert, indem wir
einzelne automatisierte Assistenzfunktionen clever und im
Hinblick auf relevante Fahrsituationen zusammenfassen. Durch das neue
BMW Working System 8, lassen sich unsere Fahrerassistenzfunktionen
noch einfacher bedienen. Gleichzeitig haben wir die Steuerung auf das
Wesentliche reduziert. So stellen wir sicher, dass der Fahrer schnell
den optimalen Grad der Unterstützung aktivieren kann. Uns geht es um
die gesamthafte und intelligente Automatisierung, um die Vereinfachung
der Systemzustände und eine intuitive Bedienung. Eine erkennbare Folge
der Vereinfachung ist zum Beispiel die Reduzierung der Tasten am Multifunktionslenkrad.

Tatsächlich hat die Realität bzw. Komplexität viele Ambitionen
hinsichtlich höherer Automatisierungsstufen bzw. deren Marktreife und
Marktverfügbarkeit eingeholt. Denn nur weil ein Fahrzeug Stage 3-fähig
ist, heißt es noch lange nicht, dass es auch überall Stage
3-automatisiert fahren darf bzw. kann. Vielmehr ist dies aktuell nur
auf ganz wenigen Strecken und unter hochspezifischen Bedingungen
erlaubt. Wir wägen daher bewusst ab, wann der richtige Zeitpunkt ist,
denn wir wollen nur relevante und vor allem absolut sichere Funktionen
anbieten. Das heißt, hier haben auch wir unsere Ambitionen kritisch
hinterfragt und arbeiten nun in einem neu ausgerichteten Fahrplan
fokussiert weiter.

 

8. Ein entscheidender Punkt beim Automatisierten Fahren ist
die Akzeptanz bei Fahrer/innen, diese zu nutzen. Wie schaffen Sie das?

Die Akzeptanz ist, je nach Area, durchaus unterschiedlich. Wir
bemühen uns hier sehr, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen, indem sie
sich im Verhalten des Fahrzeugs wiedererkennen. Dabei hat Sicherheit
für uns immer oberste Priorität. Entsprechend prägen wir das System
eher defensiv aus, sodass kein Kunde von einem zu forschen
Fahrverhalten überrascht wird. Auch ein schlüssiges
Anzeige-Bedien-Konzept ist hier wichtig: Wie vermitteln wir dem Kunden
beispielsweise intestine sichtbar, dass der Sensor das Fahrzeug vor einem
erfasst hat und die Funktion aktiv ist? Vielleicht hilft es in Zukunft
sogar, den einen oder anderen Sensor bewusst zu inszenieren, statt sie
wie heute eher zu verstecken. Aber das ist nur eine von vielen
Facetten. Wie gesagt, wir arbeiten hier an einem der spannendsten
Bereiche der Automobilindustrie.

 

Herzlichen Dank für das Gespräch.

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