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„10 Fragen an …“ Thomas Sycha. – Auto Information by Automobilnews.eu

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„10 Fragen an …“ Thomas Sycha.


1. Warum sind Sie Automobildesigner geworden?

Seitdem ich denken kann, habe ich gezeichnet, von Cartoons über
Häuser bis hin zu Automobilen. Besonders fasziniert haben mich die
unterschiedlichen Charaktere bzw. der Ausdruck, den das Fahrzeugdesign
schaffen kann. Ich bin in Polen aufgewachsen, das Berufsbild des
Automobildesigners gab es dort damals nicht. Daher habe ich zunächst
Architektur studiert. Ich wollte kreativ arbeiten, etwas gestalten.
Der Wunsch, meine Leidenschaft zum Beruf zu machen, blieb. Damals bin
ich in der Presse zufällig auf Bilder von Marcello Gandinis Entwürfen
für Bertone gestoßen. Futuristische, stark keilförmige Fahrzeuge aus
den 70ern, Fiat X 1/9 und Autobianchi A112 Bertone Runabout, die er in
sehr architektonischen Ansichten gezeichnet hatte. Das habe ich als
junger Architekturstudent dann auch probiert – und mir struggle sofort
klar: Das ist es, was ich machen will. Ich habe mich informiert,
welche Hochschulen Automobildesign anbieten. Es waren nicht sehr
viele: London, Los Angeles oder Pforzheim. Ich habe mir Pforzheim
ausgesucht – und wurde dort angenommen.

 

2.
Was inspiriert Sie?

Ich finde Inspiration in verschiedenen Erlebnissen, in Momenten, in
denen man das Gefühl hat, der imaginären Zukunft zu begegnen. Ein
Beispiel: Als ich zum ersten Mal das BMW Werk von Zaha Hadid in
Leipzig besucht hatte, struggle ich beeindruckt von der Ausdrucksstärke und
der Emotion, die in dem Gebäude stecken. Obwohl es auf den ersten
Blick „nur“ Beton ist, verspricht es so viel. Es steckt eine Erwartung
darin bzw. das Verspechen, dass es eine Zukunft gibt, in der sich
Emotion und Technik verbinden lassen. Mich berühren auch die Schönheit
der technischen Meisterwerke aus der Vergangenheit – egal, ob es
Boote, Fahrzeuge oder andere Maschinen sind. Wenn ich alte,
mechanische Ingenieurskunst sehe, bekomme ich sofort Lust, zum Stift
zu greifen und selbst etwas zu zeichnen. Die Radaufhängung eines alten
Bugatti – das ist für mich pure Inspiration. Inspirierend ist auch,
etwas Neues schaffen zu können und der Prozess selbst, das Zeichnen an
sich. Ich darf bei der BMW Group bzw. konkret bei MINI in einem Group
arbeiten, in dem sehr viel Kreatives entsteht. Die Zeichnungen an den
Wänden in unserem Studio alleine sind tägliche Inspirationsquelle.

 

3. Worin liegt der Schlüssel, ein Fahrzeugdesign zu gestalten,
das erst in fünf Jahren den Zeitgeist treffen soll?

Als Automobildesigner lebt man mit seiner Arbeit tatsächlich der
Umgebung ein paar Jahre voraus. Die Fahrzeuge, an denen wir aktuell
arbeiten, sind die Zukunft der Marke. Wir fragen uns, wie soll der
Charakter sein? Wie schaffen wir einen Aha-Effekt? Und was ist
ästhetisch? Wir beobachten, dass Ästhetik und Geschmack oft ein
Prozess sind, die von Brüchen leben. Und wir wollen genau diese Brüche
schaffen, die dann als neu, innovativ und wegweisend gelten. Das zu
treffen, ist eine Mischung aus Erfahrung und Expertise – und darauf
setzen wir bei MINI.

 

4. Was ist für Sie typisch MINI?

MINI hat für mich zwei Seiten: Die Marke besitzt einerseits einen
starken Bezug zu ihrer Historie und der britischen Herkunft.
Andererseits bzw. gleichzeitig ist sie trendy und innovativ. Genau das
macht für mich die faszinierende Identität von MINI aus. MINI ist
sympathisch, positiv und offen. Das ermöglicht jedem Fahrer, eine
direkte Beziehung zum Produkt herzustellen. Zugleich ist MINI
selbstbewusst und individuell. Für mich macht diese Kombination das
Fahrzeug und die Marke einzigartig. Hieraus resultiert natürlich auch
eine hohe Erwartung der Kunden – zu Recht. Als Designteam sehen wir
unsere Aufgabe, den Raum zwischen Custom und Moderne immer wieder
neu und authentisch mit Leben zu füllen.

 

5. Wie sieht ein MINI in Zukunft aus?

Zukunft ist für mich etwas Positives. Das treibt uns alle hier.
Vieles verändert sich und ist im Umbruch, darin sehe ich große
Chancen, die man für gutes Design nutzen kann. MINI besitzt bereits
heute verschiedene Charaktere, die sich weiter wandeln werden. Es gibt
eine ganze MINI Familie. Wir überlegen stets, was es noch geben
könnte. Ich bin davon überzeugt, dass ein MINI den sympathischen
Ausdruck behalten wird. Selbst wenn er in Zukunft, übertrieben gesagt,
eine autonom fahrende Field werden sollte, wird das Erlebnis in einem
MINI immer sehr persönlich sein und Sympathie ausstrahlen. Wie das
dann genau aussieht, daran arbeiten wir. Das MINI Erlebnis muss
optimistisch aufgeladen sein: Wenn man seinen MINI am Morgen
wiedersieht, spürt man, dass es ein guter Tag werden kann.

Konkret: Für mich wird MINI in Zukunft auf jeden Fall emotional
bleiben, trotz und gerade aufgrund der allgegenwärtigen
Digitalisierung. Die Interaktion mit einem MINI wird persönlich und
vor allem positiv sein. Er wird einen zum Lächeln bringen. Vielleicht
begrüßt ein MINI seinen Fahrer in Zukunft von außen bereits, weil das
Exterieur aktiv bespielbare Flächen hat. Auch das Interieur wird durch
Digitalisierung vollkommen neue Möglichkeiten der Personalisierung bieten.

 

6. Sie waren in der Vorentwicklung tätig und haben unter
anderem die neue Formensprache für BMW mitentwickelt. Inwieweit
werden Sie das Exterieur Design bei MINI erneuern?

Die Weiterentwicklung der Designsprache einer Marke ist immer ein
Prozess, nichts, was von heute auf morgen beschlossen und dann
umgesetzt wird. Mit jedem Projekt geht man einen Schritt weiter und
treibt die Erneuerung konsequent voran. Die Anforderungen an die
individuelle Mobilität werden immer höher – als Designer ist unser
Arbeitsalltag geprägt von Herausforderungen, wie den gesetzlichen
Auflagen und Gegebenheiten neuer Technologien. Autonomes Fahren und
damit die Einbindung von notwendigen Sensoren oder die Konnektivität
sind Beispiele für solche Themen. Aber auch ökologische und
gesellschaftliche Entwicklungen, die mit Vorgaben Einfluss auf das
Design der Zukunft nehmen, müssen wir berücksichtigen. Wichtig dabei:
die MINI typische, zeitgemäß umgesetzte Wiedererkennbarkeit muss
weiterhin gegeben sein. Sie sehen, nicht ganz trivial.

 

7. Die Marke MINI hat vor Kurzem den ersten vollelektrischen
MINI, den MINI Cooper SE, präsentiert. Unterscheidet sich die
Gestaltung des Exterieurs eines MINI mit Elektroantrieb im Vergleich
zu einem mit konventionellem Verbrennungsmotor?

Elektromobilität bedeutet einen Technologiesprung, der mit vollkommen
anderen technischen Gegebenheiten einhergeht. Der Antrieb ist relativ
klein, aber der Energiespeicher bislang groß. Das heißt, dass wir hier
deutlich andere Anforderungen an Bauräume haben, die uns gleichzeitig
die Möglichkeit geben, die Proportionen neu zu denken. Und
selbstverständlich wollen wir weiterhin typisch MINI sein. Der MINI
Cooper SE zeigt bereits im ersten kleinen Schritt die Richtung, in die
das gehen kann. Er verbindet das bekannte MINI Gesicht mit einer
aufgefrischten Ästhetik, die cleaner und ruhiger erscheint. Seine
Entrance ist nahezu komplett geschlossen, da im Vergleich zum
Verbrennermodell keine Komponenten dahinter liegen, die gekühlt werden
müssen, beziehungsweise andere Komponenten an anderer Stelle eine
Kühlung benötigen. Die klaren, großzügigen Flächen lassen ihn trendy
wirken. Gleichzeitig verbessern sie die Aerodynamik und erhöhen damit
die Reichweite.

 

8. Inwiefern verändert das autonome Fahren in Zukunft die
Gestaltung eines MINI?

Die Auswirkungen werden ähnlich hoch sein wie bei der
Elektromobilität, nur werden sie deutlich anders aussehen. Natürlich
wird sich vor allem das Interieur deutlich verändern, allein weil man
auf einmal die Möglichkeit hat, während der Fahrt etwas anderes zu
tun. Doch auch im Exterieur wird sich dieser Wandel widerspiegeln.
Nehmen wir beispielsweise das typische MINI Gesicht – für mich eines
der wesentlichen MINI Merkmale. Heute sind dort zwei runde,
freundliche Scheinwerfer-„Augen“. Aber das kann bzw. wird in Zukunft,
wenn die Fahrzeuge autonom fahren, durchaus zur Debatte stehen.
Scheinwerfer gibt es nur, damit wir als Fahrer etwas sehen können. Das
autonom fahrende Fahrzeug benötigt sie nicht mehr. Stattdessen nutzt
es dafür jede Menge Sensoren, die es zu integrieren gilt. Auch
Fensterflächen können wir neu denken. Wann will oder muss ich etwas
sehen, wann nicht? Das Fahrzeug könnte sich je nach Scenario daran anpassen.

 

9. Welchen Einfluss hat Konnektivität in Zukunft auf das
Exterieur Design bei MINI?

Die Konnektivität wird uns die Mobilität in Zukunft deutlich
erleichtern. Wir reden heute viel von dem zukünftigen Einsatz
künstlicher Intelligenz, die während der Fahrt unterstützt – egal ob
bei der Fahraufgabe oder bei anderen Tätigkeiten, wie beispielsweise
einer Hotelbuchung. Doch auch im Exterieur gibt es Möglichkeiten: Bei
einer Shared Mobility könnte die Verbindung zum Fahrzeug das Thema
Personalisierung ermöglichen. So könnte sich das Erscheinungsbild des
Fahrzeugs verändern, sobald ich auf dem Weg dorthin bin. Wir haben
dieses Szenario beim MINI VISION NEXT 100 vor drei Jahren bereits
angedeutet. So reden wir beispielsweise über aktive Oberflächen: Was
heute lackiertes Blech ist, könnte in Zukunft aktiv bespielbar sein
und Stimmungen oder konkrete Botschaften spiegeln.

 

10.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft von MINI Design, und wie
sehen Sie Ihre Rolle als Leiter Exterieur Design MINI?

Ich wünsche mir, dass man in Zukunft weiterhin von MINI Ikonen
spricht. So wie der MINI bereits heute eine Ikone ist, sollen auch die
zukünftigen MINIs diese Qualität haben. Ich würde mir wünschen, dass
ein MINI immer noch sofort und authentisch erkennbar ist, optimistic
Emotionen auslöst und vielleicht auch andere Designbereiche
beeinflussen wird. Additionally allgemein gesagt: Die Herausforderung ist, die
ikonenhaften Charakterzüge eines MINI behalten und in die neue
technoide Welt übertragen. Damit MINIs in Zukunft keine seelenlosen,
selbstfahrenden Kapseln werden. Ich darf in einem hoch motivierten
internationalen Group daran arbeiten. Ich möchte diesen kreativen
Köpfen die Möglichkeit geben, ihre Ideen zu entfalten und in Produkten
Realität werden zu lassen. Denn das größte Erlebnis für einen Designer
ist, den eigenen Entwurf dann tatsächlich an einem Fahrzeug auf der
Straße zu sehen. Daran möchte ich mitwirken.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Bei Rückfragen melden Sie sich bitte bei:

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